Tschechiens F-35: Mitteleuropas zweiter Kauf der fünften Generation

Prag schließt sich dem F-35-Klub an — was 24 Jets für Visegrad-Luftstreitkräfte bedeuten

Die Entscheidung für den F-35

Im Juli 2023 gab die tschechische Regierung unter Premierminister Petr Fiala offiziell die Entscheidung bekannt: Tschechien kauft 24 F-35A-Kampfflugzeuge zum Gesamtpreis von rund 5,6 Milliarden Dollar — einschließlich Ausbildung, Munitionspaket und Langzeitsupport. Es handelt sich um den größten Einzelrüstungsauftrag in der Geschichte der Tschechischen Republik.

Die Entscheidung fiel nach einer langen Evaluierungsphase, in der neben dem F-35A auch der schwedische JAS-39 Gripen E und der US-amerikanische F-16 Fighting Falcon in der Block-70-Version evaluiert worden waren. Der Gripen hatte historische Bedeutung: Tschechien hatte seit 2005 zwölf JAS-39C/D Gripen aus Schweden geleast — nicht gekauft, sondern geleast — und damit Kampfjet-Erfahrung aufgebaut, ohne die Kosten eines Vollkaufs zu tragen. Dieser Leasingvertrag lief bis Ende 2024.

Das politische Signal der F-35-Wahl war klar: Tschechien positioniert sich als verlässlicher Partner des US-geführten FCAS-Systems (nicht des europäischen FCAS-Programms) und folgt der Logik, in ein bündnisweit genutztes, hochintegriertes System zu investieren.

Ersatz der JAS-39 Gripen

Der Übergang von Gripen zu F-35 ist nicht trivial. Die 12 geleaste Gripens wurden 2024–2025 an Schweden zurückgegeben. In der Zwischenzeit — also bis zur ersten F-35-Lieferung 2029 — betreibt Tschechien faktisch keine eigenen Hochleistungskampfflugzeuge der neuesten Generation.

Diese Fähigkeitslücke 2024–2029 ist ein reales operatives Problem. Tschechien hat sich für die Überbrückungszeit auf Luftraumvertragspflichten durch NATO-Alliierte verlassen — die NATO Air Policing Mission über dem tschechischen Luftraum wird durch Rotationen anderer NATO-Mitglieder aufrechterhalten. Ab 2025 sollen erste F-35-Piloten in den USA ausgebildet werden.

Die Rückgabe der Gripens an Schweden ist auch im größeren Bild interessant: Schweden hat die zurückgegebenen Gripen C/D-Maschinen in seine JAS-39E-Modernisierungspipeline aufgenommen — ein Beispiel für die funktionale Rüstungskooperation innerhalb der nordisch-baltischen NATO-Gemeinschaft.

Lieferzeitplan und Ausbildung

Der F-35-Lieferzeitplan für Tschechien:

  • 2025–2028: Ausbildung tschechischer Piloten und Technikpersonal bei Luke AFB (Arizona, USA) und RAF Marham (Großbritannien)
  • Ab 2029: Erste Lieferungen an tschechische Luftstreitkräfte
  • 2031–2035: Vollausstattung mit allen 24 Maschinen

Die Ausbildungspipeline ist ein kritischer Engpass: Die Ausbildung eines F-35-Piloten dauert 12–18 Monate nach dem Grundfliegerlehrgang. Tschechien muss parallel genug qualifizierte Piloten ausbilden, um das System ab 2029 operationell betreiben zu können.

Der designierte Hauptstützpunkt für Tschechiens F-35 ist die Luftwaffenbasis Čáslav in Böhmen, rund 80 km östlich von Prag. Čáslav ist bereits der Heimatstandort der tschechischen Gripen-Staffel und verfügt über die notwendige Infrastruktur für einen modernen Kampfjet-Betrieb, die für den F-35 ausgebaut wird. Investitionen in Hangars, ALIS/ODIN-Systemarchitektur und Sicherheitsinfrastruktur sind für 2025–2028 geplant.

Vergleich mit Polens F-35-Programm

Tschechiens 24 F-35A sind bescheiden im Vergleich zu Polens Beschaffung, aber der Vergleich ist dennoch aufschlussreich. Polen hat insgesamt 48 F-35A bestellt: eine erste Tranche von 32 Maschinen im August 2020 (Vertragsvolumen: 4,6 Milliarden Dollar) und eine zweite Tranche von 16 Maschinen, die 2024 bestätigt wurde. Die ersten polnischen F-35 wurden 2024 geliefert; die Hauptstaffelung soll bis 2030 abgeschlossen sein.

Polen Tschechien
Anzahl F-35A 48 24
Vertragsvolumen ~6,5 Mrd. USD ~5,6 Mrd. USD
Erste Lieferung 2024 2029
Hauptstützpunkt Łask Čáslav
Erster Flug in Europa 2025 (geplant) 2029 (geplant)

Das Visegrad-Luftbild mit tschechischen und polnischen F-35

Die Visegrad-Gruppe (V4: Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn) hat historisch in Verteidigungsfragen kooperiert, zeigt aber erhebliche Divergenzen beim Rüstungsumfang. Mit Polen und Tschechien als F-35-Betreibern entsteht ein Visegrad-Kern mit Tarnkappenfähigkeit — während die Slowakei (F-16 Block 70, 14 Maschinen) und Ungarn (JAS-39C und Eurofighter Typhoon) auf andere Typen setzen.

Die strategische Bedeutung: F-35-Betreiber haben Zugang zum Mission Data File (MDF) — geheimdienstliche Signaldaten, die dem F-35 seine Lagebildüberlegenheit geben. Länder mit F-35 sind tiefer in US-Geheimdienststrukturen integriert als Länder ohne das System. Das schafft im Visegrad-Format eine neue Tiefungsebene der Interoperabilität zwischen Polen und Tschechien, die über reine Waffenkompatibilität hinausgeht.

Für die nato-ostflanke bedeutet das: Der Luftraum über Mitteleuropa wird ab 2029 von zwei F-35-Betreibern (Polen, Tschechien) mit insgesamt 72 Tarnkappen-Kampfflugzeugen verteidigt — eine qualitative Verbesserung gegenüber der heutigen Lage, die Russlands Luftraumkalkulation in der Region verändern wird.