Kh-101

Raduga (Tactical Missiles Corporation) — Russland — In Dienst seit 2012

Technische Daten

Länge 7,45 m
Gewicht 2.400 kg
Reichweite 2.500–4.500 km
Gefechtskopf 400 kg konventionell (Kh-101) / nuklear (Kh-102)
Geschwindigkeit Mach 0,6–0,78
Trägersystem Tu-95MS, Tu-160
Besonderheit Stealth-Formgebung, Tiefflug-Geländefolge, TERCOM/DSMAC-Lenkung

Betreiber an der Ostflanke

Land Stückzahl Status Anmerkung
Russland Hunderte produziert Aktiv Extensiver Einsatz gegen ukrainische Infrastruktur seit 2022.

Die Kh-101 ist Russlands modernster luftgestützter Marschflugkörper und die primäre konventionelle Angriffswaffe der strategischen Bomberflotte. Mit einer Reichweite von bis zu 4.500 km und Stealth-Formgebung kann sie von Tu-95MS- und Tu-160-Bombern über russischem Territorium oder dem Kaspischen Meer gestartet werden und Ziele in ganz Europa erreichen, ohne dass die Trägerflugzeuge den NATO-Luftraum verletzen müssen.

In der ukraine hat Russland Hunderte Kh-101 gegen Energieinfrastruktur, Industrieanlagen und militärische Ziele eingesetzt. Die Marschflugkörper fliegen auf niedriger Höhe im Geländefolgeflug und nutzen TERCOM (Terrain Contour Matching) und DSMAC (Digital Scene Matching Area Correlation) für Endphasenlenkung. Die ukrainische luftverteidigung hat zahlreiche Kh-101 abgefangen, insbesondere mit Patriot- und NASAMS-Systemen, aber die schiere Masse der Angriffe — oft kombiniert mit Kalibr, Iskander und Shahed-Drohnen — belastet die Flugabwehr enorm.

Die nuklear bestückte Variante Kh-102 verleiht dem System eine strategische Dimension: Sie ist Teil der russischen nuklearen Triade und kann im Extremfall mit nuklearen Sprengköpfen gegen strategische Ziele in Europa eingesetzt werden. Diese Doppelfähigkeit — konventionell und nuklear — macht die Kh-101/102-Familie zu einer der wichtigsten Bedrohungen für die europäische Sicherheit.

Bedeutung für die NATO-Ostflanke

Die Kh-101 bedroht die gesamte NATO-Ostflanke und darüber hinaus. Von russischen Luftstützpunkten im Hinterland (Engels, Olenya) gestartet, können Tu-95MS und Tu-160 über dem Kaspischen Meer oder der Barentssee Kh-101 abfeuern, die jeden Punkt in Europa erreichen. Für die Ostflankenstaaten bedeutet dies, dass selbst die Zerstörung russischer Flugplätze nahe der Grenze die Kh-101-Bedrohung nicht eliminiert.

Die Konsequenz ist ein erhöhter Bedarf an geschichteter luftverteidigung: Patriot für ballistische Bedrohungen, IRIS-T und NASAMS für Marschflugkörper wie die Kh-101, SHORAD für drohnen. Die Ukraine hat gezeigt, dass die Kh-101 abfangbar ist, aber nur wenn ausreichend Flugabwehrsysteme in der Fläche verteilt sind — eine Lehre, die die Ostflankenstaaten in ihre Beschaffungsplanung einbeziehen.

Häufig gestellte Fragen

Wie weit reicht die Kh-101? 2.500–4.500 km je nach Quelle und Variante. Von Englands (Saratow) gestartet, kann sie ganz Europa erreichen. Die Trägerflugzeuge Tu-95MS und Tu-160 müssen den NATO-Luftraum nicht verletzen.

Kann die NATO die Kh-101 abfangen? Ja. Die Ukraine hat zahlreiche Kh-101 mit Patriot, NASAMS und anderen Systemen abgefangen. Die Herausforderung liegt in der Masse: Russland kombiniert Kh-101 mit Kalibr, Iskander und Shahed-Drohnen, um die Flugabwehr zu übersättigen.

Was ist der Unterschied zwischen Kh-101 und Kh-102? Die Kh-101 trägt einen 400-kg-konventionellen Gefechtskopf. Die Kh-102 ist die nuklear bestückte Variante derselben Plattform und Teil der russischen nuklearen Triade.